Eigentlich sollte das hier nur ein Provisorium für meine Garage werden – eine zusätzliche Ablage in Werkbankhöhe, für die ich keine neue Tischlerarbeit anfangen wollte. Am Ende ist aus vier schwarzen IKEA-NORDLI-Kommoden, zwei Distanzrahmen und drei Massivholzplatten eine Sitzbank mit Stauraum geworden, die jetzt im Flur steht und trotzdem noch wie eine kleine Werkbank funktioniert. Kein Sägeblatt, kein Multiplex, nur Akkuschrauber, Zwingen und ein bisschen Geduld beim Ausrichten.
Ausmessen und Material vorbereiten

Bevor irgendetwas verschraubt wird, liegt bei mir immer erst alles nebeneinander auf dem Boden – auch wenn Micha das für übertrieben hält. Hier sind es vier NORDLI-Schubladenmodule, drei Massivholzplatten und zwei Distanzrahmen, dazu Wasserwaage, Zollstock und die Zwingen, die bei mir sowieso ständig im Einsatz sind.
- Wand ausmessen: Ich prüfe mit dem Bandmaß die verfügbare Länge und ziehe testweise eine Linie, wo die Bank später enden soll.
- Module zählen: Vier Korpusse ergeben bei mir die Gesamtlänge – lieber einmal zu viel nachgemessen als am Ende eine Platte zu kurz zugeschnitten.
- Holzplatten sortieren: Die lange Platte kommt unten, die kürzeren später auf die erhöhte Seite.
Wer zur Miete wohnt: Das Gute an diesem Aufbau ist, dass nichts an die Wand geschraubt wird. Freistehende Möbel brauchst du dem Vermieter gegenüber nicht zu begründen.
Module aufstellen und ausrichten

Die vier Korpusse an ihre Position schieben ist der einfache Teil. Der Wasserwaage-Check danach entscheidet aber, ob die Bank später wirklich eine ebene Fläche zum Sitzen und Arbeiten hat. Reihenhausböden sind bei mir selten so eben, wie man hofft – auch dieser hier hatte ein leichtes Gefälle Richtung Wand.
Ich richte jedes Modul einzeln aus, bevor ich zum nächsten gehe, und unterlege bei Bedarf mit dünnen Kunststoffkeilen. Das kostet fünf Minuten mehr Werkstattzeit, erspart dir aber später wackelnde Schubladen und eine Arbeitsplatte, die an einer Ecke höher steht als an der anderen.
Ein Satz aus meiner Tischlereizeit, den ich hier immer wieder anwende: Was jetzt nicht gerade steht, bleibt für immer schief.
Korpusse verbinden

Jetzt kommen die Zwingen ins Spiel – sechs Stück reichen bei mir aus, um alle vier Module gleichzeitig bündig zu halten, während ich seitlich vorbohre und verschraube. Ohne Fixierung verschieben sich die Korpusse beim Anziehen der ersten Schraube fast immer minimal, und dann stimmt die Front nicht mehr.
Wichtig beim Vorbohren: Die Spanplatten der NORDLI-Seitenwände splittern leicht, wenn du ohne Vorbohrer direkt mit der Schraube reingehst. Ich nehme einen dünneren Bohrer als den Schraubendurchmesser und setze pro Verbindungsstelle mindestens zwei Schrauben.
Wer keine sechs Zwingen besitzt: Zwei reichen auch, du arbeitest dann nur Modul für Modul nacheinander – dauert länger, funktioniert aber genauso sauber.
Distanzrahmen montieren

Der Trick, der aus vier gleich hohen Kommoden am Ende eine Sitzbank mit erhöhtem Werkbank-Teil macht, sitzt genau hier: Die Distanzrahmen kommen unter das rechte Modul und heben es um ihre Höhe an. Dadurch entsteht später die Stufe, die man auf dem letzten Foto sieht.
- Rahmen unterlegen und mittig zum Korpus ausrichten.
- Mit der Wasserwaage kontrollieren, ob das erhöhte Modul jetzt exakt parallel zu den anderen drei steht.
- Fest verschrauben – ich nutze hier etwas längere Schrauben, weil zwei Materialstärken durchdrungen werden.
Diese Schritte entscheiden über die spätere Statik der Sitzfläche, deshalb lieber zweimal mit der Wasserwaage nachmessen als am Ende eine Platte auf schiefem Untergrund festzuschrauben.
Holzplatte anpassen und vorbohren

Bevor eine Schraube in die Platte geht, lege ich sie erst probeweise auf und schiebe sie so lange, bis der Überstand links und rechts gleich groß ist. Erst danach markiere ich die Bohrpunkte durch die Korpusdecken – und bohre von unten vor, nicht von oben.
Das ist kein Kosmetikschritt: Wer direkt von oben durch die Massivholzplatte schraubt, riskiert Ausrisse auf der Sichtseite, die sich später nicht mehr wegschleifen lassen. Von unten vorgebohrt bleibt die Oberfläche makellos.
Zur Staubfrage bei Eiche und Buche: Selbst beim reinen Vorbohren entsteht Feinstaub. In der Garage arbeite ich grundsätzlich mit Absaugung am Bohrschrauber oder zumindest mit FFP2-Maske, wenn ich länger an Hartholz arbeite – Hartholzstaub ist kein Pappenstiel.
Untere Arbeitsplatte montieren

Jetzt wird die lange Platte durch die vorgebohrten Löcher festgeschraubt. Ich ziehe die Schrauben nicht sofort komplett an, sondern erst alle handfest, dann kontrolliere ich mit der Wasserwaage längs und quer, bevor ich final anziehe – so gleicht sich noch ein winziger Verzug aus, ehe er sich festsetzt.
Der bündige Abschluss zur Kante der Korpusse ist hier wichtiger als bei einem reinen Deko-Regal: Diese Platte trägt später Gewicht beim Sitzen und beim Arbeiten, und eine überstehende Kante wird mit der Zeit zum Hebel, der die Schraubverbindung lockert.
Anfängerin? Für diesen Schritt allein rechne ich real mit gut einer halben Stunde, plane also lieber eine ganze ein, wenn du zum ersten Mal mit Holzplatten dieser Größe arbeitest.
Sitzfläche und Tritt montieren

Der letzte Bauschritt ist auch der, bei dem die Traglast am direktesten spürbar wird: Auf dieser oberen Platte wird später gesessen, mit ganzem Körpergewicht. Ich setze hier bewusst mehr Schrauben als beim unteren Board.
- Obere Platte fixieren: auf das erhöhte Modul auflegen, ausrichten, durch die vorgebohrten Punkte verschrauben.
- Trittstufe ergänzen: die kleinere Platte darunter als Zwischentritt anschrauben, mit Zwingen gesichert, solange die Schrauben noch nicht sitzen.
- Alles nachziehen: jede Schraubverbindung am Ende einmal komplett mit Drehmoment kontrollieren, nicht nur handfest.
Bohle, unser Hund, hat sich genau in diesem Moment testweise draufgesetzt – ein ziemlich zuverlässiger Belastungstest, den ich hiermit offiziell zum Qualitätsstandard erkläre.
Das fertige Ergebnis im Flur

So steht die Bank jetzt: links die durchgehende Sitzfläche über vier Schubladenreihen, rechts das erhöhte Modul mit offenem Fach und kleiner Trittstufe darunter – praktisch für Schuhe, Werkzeugkiste oder was auch immer gerade im Weg steht. Die Maserung der Massivholzplatten liegt schön durchgängig, weil ich beim Zuschnitt auf die Faserrichtung geachtet habe.
Damit die Oberfläche lange gut aussieht
Ich habe die Platten vor dem Einbau mit Körnung 120, dann 180 nachgeschliffen und anschließend geölt – zwei Schichten, dazwischen über Nacht durchtrocknen lassen. Das ist reine Wartezeit, keine Werkstattzeit, aber plane sie ein, wenn du die Bank am gleichen Wochenende nutzen willst.
Für den Alltag reicht danach feuchtes Abwischen; bei tieferen Kratzern hilft ein punktuelles Nachölen, ganz ohne komplette Demontage.
Aus vier Kommoden und drei Holzplatten wird selten auf Anhieb eine Sitzbank, die auch noch gerade steht – aber mit Wasserwaage, ein paar Zwingen und der Reihenfolge oben klappt es ohne eine einzige Tischlersäge. Steht jetzt bei uns im Flur, und Bohle hat den Härtetest schon bestanden.

- Material
- Werkzeug

Was Leser oft fragen
Muss die Bank an der Wand fixiert werden?
Bei diesem Aufbau nicht zwingend, weil das Eigengewicht der vier Module und der Massivholzplatten für Standfestigkeit sorgt. Wenn kleine Kinder oder ein großer Hund öfter draufklettern, würde ich trotzdem eine leichte Kippsicherung ergänzen – je nach Wand mit passendem Dübel und Winkel.
Geht das auch ohne Zwingen?
Mit zwei Stück statt sechs schon, du arbeitest dann Modul für Modul nacheinander statt alle gleichzeitig zu fixieren. Ganz ohne Zwingen rate ich ab – die Korpusse verschieben sich beim Anschrauben minimal, und dann stimmt die Front nicht mehr.
Welche Holzplatten eignen sich außer Eiche?
Buche funktioniert genauso gut und ist meist etwas günstiger im Zuschnitt. Auf reine Spanplatte mit Dekor würde ich für die Sitzfläche verzichten, da sie unter dauerhafter Belastung schneller durchhängt als eine echte Massivholzplatte.



