Dachlatten aus dem Baumarkt haben keinen guten Ruf – die meisten kennen sie nur roh und grau vom Dachstuhl. Auf meiner Werkbank in der Garage sind sie diesmal zu etwas anderem geworden: einem Wandregal mit vertikalen Lamellen, das nach dem Schleifen und Ölen aussieht wie aus dem Möbelhaus, aber für einen Bruchteil des Preises. Ich zeig dir jeden Schritt so, wie ich ihn selbst gemacht habe, mit den Maßen und dem Werkzeug, das dabei wirklich zum Einsatz kam.
Der Zuschnitt: aus Dachlatten wird Lamellenkunst

Bevor irgendetwas verleimt oder verschraubt wird, liegt hier alles einmal komplett vorbereitet auf dem Tisch – sieben vertikale Lamellen, drei Querriegel für die Rückseite, zwei unterschiedlich lange Seitenleisten und drei Regalböden. Genau diese Übersicht spart dir später Fehler: Wenn jedes Teil seine Funktion schon auf dem Tisch kennt, verwechselst du beim Verschrauben nichts mehr.
- Anzeichnen zuerst: Alle Längen mit Winkel und Maßband anreißen, nicht nach Augenmaß.
- Zuschnitt mit der Kapp- oder Gehrungssäge für saubere, rechtwinklige Kanten – geht auch ohne eigene Säge, der Baumarkt-Zuschnittservice schneidet Dachlatten meist für ein paar Cent pro Schnitt.
- Kanten leicht entgraten, damit sich später niemand an Splittern stört.
Ich rechne bei Fichten-Dachlatten immer etwas Verschnitt ein – die Bretter sind selten perfekt gerade, und du willst die krummen Stellen nicht ausgerechnet in der sichtbaren Lamelle haben.
Kanten schleifen, Bohrlöcher anzeichnen

Roh gesägte Dachlatten fühlen sich an wie Dachlatten – faserig, kantig, unangenehm in der Hand. Das ändert sich mit Körnung 120, gefolgt von 180 auf allen sichtbaren Flächen und Kanten. Genau in diesem Schritt entscheidet sich, ob dein Regal später nach Möbel oder nach Baustelle aussieht.
Parallel dazu markiere ich die Schraubpunkte auf den Querriegeln mit Winkel und Bleistift – gleichmäßige Abstände zwischen den Lamellen sind hier wichtiger als bei fast jedem anderen Teil des Regals, weil das Auge jede Unregelmäßigkeit sofort erkennt.
Bei schmalen Querschnitten wie diesen Dachlatten reißt das Holz beim Verschrauben ohne Vorbohren fast garantiert – das ist keine Fleißaufgabe, sondern der Unterschied zwischen einer Verbindung, die hält, und einer, die beim ersten Draufstellen wackelt.
Ich bohre grundsätzlich mit einem Bohrer vor, der etwas dünner ist als der Schraubendurchmesser, und arbeite mit Absaugung – Fichtenstaub ist zwar harmloser als Hartholzstaub, in der Menge willst du ihn trotzdem nicht einatmen.
Lamellen-Rückwand verschrauben

Jetzt entsteht das Herzstück des Regals: die sieben Lamellen werden mit drei Querriegeln zu einer Art Gitter verbunden. Auf dem Foto siehst du genau die Reihenfolge, die auch bei mir funktioniert hat – erst Lamellen mit gleichmäßigem Abstand auf dem Tisch ausrichten, dann die Querriegel quer auflegen, Holzleim auf die Kontaktflächen auftragen und von hinten verschrauben.
- Abstand fixieren: Ich lege zwischen jede Lamelle ein Reststück gleicher Breite als Abstandhalter, das nimmt jede Unsicherheit aus dem Ausrichten.
- Leim vor Schraube: Holzleim übernimmt die eigentliche Festigkeit der Fläche, die Schraube fixiert nur, bis der Leim abgebunden hat.
- Von hinten arbeiten: So bleibt die Vorderseite frei von sichtbaren Schraubenköpfen.
Rechne hier mit echter Wartezeit – Holzleim braucht laut Hersteller in der Regel mehrere Stunden, bis er belastbar ist, auch wenn er nach zwanzig Minuten schon fest wirkt.
Oberen Rahmen montieren

Die linke Seitenleiste und die obere Rahmenleiste geben der Lamellenplatte jetzt ihre erste Kontur. Bevor irgendetwas verleimt wird, lege ich alle Rahmenteile trocken an – so siehst du sofort, ob der Winkel exakt neunzig Grad hat, bevor der Leim jede Korrektur unmöglich macht.
Erst wenn die Trockenmontage passt, kommt Holzleim auf die Stoßstellen, und von hinten oder seitlich wird verschraubt. Genau hier zeigt sich auch die asymmetrische Bauweise dieses Regals: Die linke Seite ist bewusst höher angesetzt als später die rechte – kein Fehler, sondern das gestalterische Prinzip, das dem Regal seine unregelmäßige Silhouette gibt.
Wenn dir eine eigene Kappsäge fehlt, reicht für diesen Schritt eine Handkreissäge mit Führungsschiene völlig aus – der Rahmen selbst wird ja nicht mehr gesägt, nur noch angepasst und verschraubt.
Obere Ablage montieren

Der erste Regalboden wandert jetzt in die Lamellenkonstruktion – und ab hier bekommt das Regal endlich räumliche Tiefe statt nur eine flache Vorderansicht. Die Höhe wird direkt an der Lamellenplatte angezeichnet, der Boden mit dem Winkel exakt waagerecht ausgerichtet, dann Leim auftragen und von hinten oder unten verschrauben.
- Höhe zuerst markieren, nicht nach Gefühl auflegen – ein Millimeter Abweichung sieht man bei einer durchgehenden Lamellenfront sofort.
- Boden bündig zur Vorderkante ausrichten, sonst wirkt das Fach später schief, obwohl es gar nicht schief ist.
- Verschrauben von unten hält die Oberseite komplett frei von sichtbaren Löchern.
Ich nutze für diese Böden Leimholz statt einzelner Dachlatten – die zusätzliche Breite eines durchgehenden Bretts macht die Ablagefläche stabiler, ohne dass du eine zweite Verleimung brauchst.
Rechte Seitenwange und mittlere Ablage montieren

Jetzt kommt der Teil, an dem sich die Asymmetrie endgültig zeigt: Die rechte Seitenleiste ist bewusst kürzer als die linke, dazwischen entsteht mit einer eigenen Querleiste ein zweites, freistehendes Fach. Ich halte die rechte Leiste zunächst nur an, bevor sie fixiert wird – so kannst du die Proportion noch einmal gegen das Original prüfen, bevor der Leim entscheidet.
Worauf ich hier besonders achte
Die obere Querleiste für dieses Fach muss exakt im rechten Winkel zur Seitenwange sitzen, sonst wandert der mittlere Boden später schräg ins Bild. Ich verleime und verschraube diese Verbindung in einem Zug, weil sich das Teil sonst beim Ausrichten wieder verschiebt.
Wer noch keine Erfahrung mit unregelmäßigen Konstruktionen hat: Plan als Einsteigerin ruhig die doppelte Zeit für diesen Schritt ein – Symmetrie ist einfacher zu bauen als kontrollierte Asymmetrie, weil dir hier keine Mittellinie hilft.
Untere Ablage montieren und Finish auftragen

Der letzte Regalboden schließt die Konstruktion nach unten ab, dann wird aus grober Dachlatte endlich das, was du auf dem Foto siehst: ein warm getöntes Möbelstück. Nach dem Verleimen und Verschrauben schleife ich noch einmal fein mit Körnung 180 nach – jede Stelle, an der später Hand angelegt wird, spürt man sonst noch als leichte Rauheit.
Für die Oberfläche verwende ich Hartwachsöl, dünn mit einem Tuch aufgetragen und leicht eingerieben. Es zieht in offenporiges Nadelholz schnell ein und bringt genau die changierende, leicht changierende Maserung heraus, die man Dachlatten normalerweise nicht zutraut.
Zum Schluss werden die zwei Wandaufhänger montiert – an dieser Stelle noch ohne Wand, rein am Regal selbst. Rechne beim Öl mit echter Trockenzeit: mehrere Stunden bis zur Griffestigkeit, mindestens eine Nacht, bevor du irgendetwas draufstellst.
Anbringen an der Wand: erst der Wandtyp, dann der Dübel

So schön das fertige Regal auf dem letzten Foto mit Vase, Bilderrahmen und Büchern aussieht – bevor es an der Wand hängt, kommt der Teil, den ich nie überspringe. Erst mit dem Leitungssuchgerät prüfen, ob in der geplanten Bohrstelle Strom- oder Wasserleitungen liegen, unabhängig davon, wie leicht das Regal wirkt.
Die passende Befestigung richtet sich nach dem Wandtyp:
- Vollziegel oder Beton: Dübel und Schrauben passend zur Traglast, klassisch und unkompliziert.
- Lochziegel: spezielle Kunststoff- oder Metalldübel für Hohlräume, keine normalen Universaldübel.
- Gipskarton: Hohlraumdübel oder Molly-Dübel, dabei die Gesamtlast realistisch einschätzen – ein voll bestücktes Lamellenregal mit Büchern wiegt mehr, als man denkt.
Wohnst du zur Miete, lohnt sich vorher ein kurzer Blick zum Vermieter, ob größere Dübellöcher in Ordnung gehen – meist ja, aber besser vorher fragen als beim Auszug diskutieren.
Aus acht Dachlatten und drei Brettresten ist ein Regal geworden, das ich so nicht erwartet hätte, als ich das Material im Baumarkt aus dem Stapel gezogen habe. Wenn du es nachbaust, gib der Asymmetrie im sechsten Schritt etwas mehr Zeit als allem anderen – dort entscheidet sich, ob das Regal am Ende ruhig wirkt oder einfach nur schief.

- Material
- Werkzeug

Was Leser oft fragen
Muss ich extra teure Dachlatten kaufen, damit das Regal so hell und gleichmäßig aussieht wie auf den Fotos?
Nein, normale Baumarkt-Dachlatten reichen völlig aus. Der Unterschied entsteht durch sorgfältiges Schleifen mit Körnung 120 und 180 und dünn aufgetragenem Hartwachsöl, nicht durch teureres Ausgangsmaterial.
Kann ich das Regal auch symmetrisch bauen, wenn mir die asymmetrische Form zu unruhig ist?
Klar, dann machst du beide Seitenleisten gleich lang und beide Fächer gleich tief. Die Bauweise bleibt identisch, nur die Zuschnittliste ändert sich bei den Seitenleisten und der zusätzlichen Querleiste.
Wie schwer darf das Regal beladen werden?
Das hängt stark vom Wandtyp und der gewählten Befestigung ab. Für Deko, Bücher und kleine Vasen wie im letzten Foto ist es bei fachgerechter Dübelwahl gut geeignet – für sehr schwere Lasten würde ich zusätzliche Wandaufhänger einplanen.



