Meine Oberfräse liegt seit Jahren griffbereit in der Werkzeugwand, aber ob sie wirklich was taugt, entscheidet nicht die Maschine allein – sondern das, was drumherum passiert: Tisch, Anschlag, Jig. Ich hab fünf Aufsätze und Vorrichtungen über Monate in echten Projekten gegengetestet, von der fertigen Einsatzplatte bis zum selbstgebauten Frässtativ. Manche würde ich sofort wieder kaufen, andere nur noch selber bauen.
Die fertige Frästisch-Einsatzplatte mit Zentrierring

Diese Platte hat mich am längsten skeptisch gelassen – bis ich sie eingebaut hatte. Es ist eine industriell gefertigte Alu- oder Kunststoffplatte mit auswechselbaren Zentrierringen, die du in einen passenden Ausschnitt in deiner Tischplatte oder Sägetisch-Verlängerung einsetzt. Die Oberfräse wird von unten verschraubt, der Fräser ragt exakt zentriert durch den Ring.
- Vorteil: Verschiedene Ringgrößen für unterschiedliche Fräserdurchmesser, kaum Spiel um den Fräser
- Einbau: Ausschnitt sauber ins Multiplex oder MDF fräsen, Platte plan versenken – wenn sie einen Millimeter absteht, ruckelt jedes Werkstück beim Vorbeischieben
- Kosten: ab rund 30 bis 50 Euro, je nach Passgenauigkeit zur eigenen Maschine
Wichtig am Frästisch, egal welche Platte: Absaugung unter dem Tisch anschließen und den Fräser nie mit bloßer Hand in Werkstücknähe führen – ein Schiebestock oder Niederhalter gehört fest dazu.
Die Kantenführung für gerade Nuten und Falze

Für gerade Führungen brauchst du keinen teuren Parallelanschlag – eine solide Leiste, ein paar Schraubzwingen und ein Aluprofil auf der Fräsenbodenplatte reichen völlig. So ein selbstgebauter Anschlag definiert die Schnittlinie parallel zur Werkstückkante, während die Fräse sauber daran entlangläuft.
Worauf es ankommt
- Leiste rechtwinklig zuschneiden – am besten mit der Handkreissäge und Führungsschiene, sonst wandert der Fehler in jede Nut
- Zwei Klemmpunkte statt einem, sonst kippt die Führung beim Andruck
- Immer im Gegenlauf fräsen – also gegen die Drehrichtung des Fräsers arbeiten, sonst zieht dich die Maschine unkontrolliert nach vorn
Ich hab damit Nuten für Regalböden gefräst, die später wirklich tragen sollten – kein Möbelstück fürs Museum, aber eins, das hält. Für Einsteigerinnen rechne ruhig mit der Hälfte mehr Zeit, bis Anschlag und Vorschub sich richtig anfühlen. Und: keine Handschuhe an der laufenden Fräse, die Gefahr, dass Stoff erfasst wird, ist real.
Der Kreis-Jig für Radien und runde Tischplatten

Ein Kreis lässt sich mit der Hand nie so sauber fräsen wie mit einem festen Drehpunkt – das hab ich in der Tischlerei früh gelernt und nie wieder vergessen.
Diese Vorrichtung mit verstellbarer Aluschiene funktioniert wie ein Zirkel: Ein Ende wird als Drehpunkt im Werkstück fixiert, das andere trägt die Fräse im festen Abstand dazu. Verschiebst du die Schiene, änderst du den Radius – ideal für runde Tischplatten, Ausschnitte oder abgerundete Ecken.
- Nie in einem Zug bis zur Endtiefe fräsen – mehrere flache Durchgänge, sonst reißt der Fräser am Ende Späne aus dem Rand
- Werkstück komplett fixieren, nicht nur den Drehpunkt – sonst wandert das ganze Brett mit
- Gehörschutz nicht vergessen, bei durchgehenden Kreisbahnen läuft die Fräse lange am Stück
Für gelegentliche runde Formen lohnt sich der Eigenbau aus Alu-Profilschienen, die es im Baumarkt oder Fachhandel als Meterware gibt – für eine Serienfertigung würde ich zu einem stabileren, industriell gefertigten Zirkel greifen.
Die selbstgebaute Einlegeplatte aus Multiplex

Die günstige Alternative zur Alu-Einsatzplatte ist eine Platte aus Multiplex oder stabilem MDF, in die du den Schlitz für den Fräser selbst einbringst. Kein Zentrierring, aber deutlich billiger – ein Zuschnitt aus 19-mm-Multiplex kostet im Baumarkt kaum mehr als zehn, fünfzehn Euro.
Der Trick beim Bau: Den Schlitz zuerst mit der Stichsäge grob vorschneiden, dann mit der Fräse selbst und einer geraden Führung sauber nachziehen. Ein bisschen Henne-Ei-Problem, wenn du noch keine zweite Fräshilfe hast – deshalb lohnt es, den Schlitz beim ersten Mal etwas großzügiger zu planen, als du eigentlich brauchst.
- Nachteil: Die Kanten des Holzschlitzes nutzen sich mit der Zeit ab, irgendwann muss die Platte ersetzt werden
- Vorteil: In zwanzig Minuten aus Verschnitt gebaut, wenn die alte Platte doch nicht mehr passt
Für die offene Werkstatt, in der ich ab und zu aushelfe, ist genau das die pragmatische Lösung – die Nutzerinnen dort bauen sich ihre Einlegeplatten meist selbst nach, statt auf die fertige Version zu warten.
Das Frässtativ mit Federmechanik für Höhenverstellung

Wer öfter die Frästiefe ändert, kennt das Ärgernis: Fräse aus dem Tisch schrauben, verstellen, wieder einschrauben. Dieses selbstgebaute Stativ aus zwei Holzplatten, Gewindestangen und Federn löst das anders – die Fräse hängt federnd zwischen den Platten und lässt sich von oben, mit den Rändelschrauben, in der Höhe nachjustieren, ohne sie auszubauen.
Wofür sich der Bau lohnt
- Häufige Tiefenänderungen bei Projekten mit mehreren Frässchritten – etwa Nut und Feder in einem Durchgang
- Federn übernehmen einen Teil des Gewichts, das entlastet beim Verstellen spürbar die Schulter – und genau darauf achte ich seit meinem Wechsel aus der Produktionswerkstatt besonders
- Baumaterial: zwei Reste Multiplex, vier Gewindestangen, passende Druckfedern aus dem Baumarkt-Sortiment
An Präzision kommt der Eigenbau nicht ganz an einen gekauften Frästisch-Lift heran, aber für Hobbyprojekte reicht die Genauigkeit locker. Vor dem ersten Einsatz: Fräser fest im Spannzangenfutter prüfen, lockere Aufnahme ist der häufigste Grund für Vibrationen an solchen Konstruktionen.
Zum Schluss
Am Ende hat sich bei mir eine Mischung durchgesetzt: die fertige Einsatzplatte am Haupttisch, alles andere aus Verschnitt selbst gebaut. Bohle schläft übrigens bei keinem dieser fünf Aufsätze weiter – die Oberfräse ist die einzige Maschine, die ihn zuverlässig aus der Ecke treibt.

Gut zu wissen: eure Fragen
Brauche ich für die Oberfräse zwingend einen Frästisch?
Nein. Viele Arbeiten – gerade Nuten, Kanten fräsen, sogar Kreise – gehen genauso gut handgeführt mit Anschlag oder Jig. Ein Frästisch lohnt sich erst, wenn du regelmäßig kleinere Werkstücke bearbeitest, die sich schlecht mit der Maschine in der Hand führen lassen.
Reicht eine Einlegeplatte aus Holz, oder muss es Aluminium sein?
Für den gelegentlichen Gebrauch reicht Multiplex oder stabiles MDF völlig aus und kostet einen Bruchteil. Wer täglich am Frästisch arbeitet, profitiert von der höheren Verschleißfestigkeit und der exakten Zentrierung einer Alu-Platte mit Ring.
Worauf muss ich bei selbstgebauten Fräsjigs sicherheitstechnisch achten?
Werkstück und Jig immer komplett fixieren, nie freihändig gegenhalten. Im Gegenlauf fräsen, mehrere flache Durchgänge statt eines tiefen, keine Handschuhe an der rotierenden Maschine und Gehörschutz sowie Absaugung oder zumindest FFP2-Maske bei längeren Frässerien nicht vergessen.







